Biogasanlage

Biogasanlagen – Fluch und Segen

31.1.2020

Wie aus einer guten Idee ein wenig umweltfreundliches Geschäftsmodell wurde

Eine Biogasanlage dient der Erzeugung von Biogas durch Vergärung von Biomasse. In landwirtschaftlichen Biogasanlagen werden meist tierische Exkremente (Gülle, Festmist) und Energiepflanzen als Substrat eingesetzt. Bis zu den tierischen Exkrementen war die Idee gut, wenn zur besseren wirtschaftlichen Auslastung der Anlage Energiepflanzen in geringen Mengen eingesetzt werden, ist das nicht zu beanstanden. Als Nebenprodukt wird ein als Gärrest bezeichneter Dünger produziert. Dieser ist chemisch weit weniger aggressiv gegenüber den Pflanzen als Rohgülle, die Stickstoffverfügbarkeit ist höher und der Geruch weniger intensiv. Ende 2013 waren 7.515 Biogasanlagen mit einer installierten Leistung von ca. 3.352 MW in Betrieb, entsprechend der Nennleistung zweier großer Kernkraftwerke. Haupteinsatzstoffe dieser Anlagenklasse sollten Gülle und Mist aus der jeweiligen örtlichen Tierproduktion am „Hof“ sein. Biogasanlagen stellen aber auch eine Quelle für Gerüche, Schadstoffe oder Lärm dar. Der Umgang mit dem brennbaren Biogas und mit wassergefährdenden Stoffen führte in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen. Bei den sogenannten Nawaro (Nachwachsende Rohstoffe)-Biogasanlagen, die vorwiegend Energiepflanzen vergären, sind außerdem die Umweltbelastungen bei der landwirtschaftlichen Produktion dieser Energiepflanzen zu beachten. Dank interessanter Förderung ist ein Gutteil der Betreiber landwirtschaftlicher Biogasanlagen heute aus der Tierhaltung ausgestiegen, Festmist und Gülle als Betriebsstoff sind damit ausgefallen, Biogasanlagen werden ausschließlich mit Energiepflanzen betrieben. Sie verarbeiten also keine Gülle, sie erzeugen Gülle und tragen damit zur Belastung des Grundwassers bei. Aus Landwirten wurden „Zuschussjäger“.

So begrüßenswert die Energiegewinnung (Strom, Abwärme oder „Biomethan“) aus erneuerbaren Energieträgern auch ist, Biogasanlagen sind komplexe Industrieanlagen mit erheblichem Risikopotenzial. Denn in Biogasanlagen werden erhebliche Mengen extrem entzündbare und klimaschädliche Gase erzeugt, gespeichert und umgesetzt. In Biogasanlagen sind erhebliche Volumina allgemein wassergefährdender Stoffe in Form von Gülle, Substraten oder Gärresten vorhanden. Trotz dieses Risikopotenzials sind bisher keine ausreichenden und rechtsverbindlichen Anforderungen zum Schutz von Umwelt und Nachbarschaft für die Errichtung und den sicheren Betrieb von Biogasanlagen festgelegt.

Nicht nur in Fragen der sicherheitsrelevanten Technik von Biogasanlagen besteht Verbesserungsbedarf. Durch die eingesetzte, zum Teil veraltete oder unzureichende Technik können Biogasanlagen, entgegen ihrem eigentlichen Sinn, auch kontraproduktiv für die Energiewende sein. Denn ein nicht unerheblicher Anteil, durchschnittlich etwa 5 % des in Biogasanlagen produzierten Methans entweicht unkontrolliert in die Atmosphäre .

Ein Großteil der in Biogasanlagen erzeugten Energie stammt aus eigens angebauten nachwachsenden Rohstoffen (Energiepflanzen wie Mais, Getreide oder Gras). Nur etwa 20 % stammen aus Bioabfällen, Reststoffen und Gülle. Bei den sogenannten NawaRo (Nachwachsende Rohstoffe)-Biogasanlagen, die vorwiegend Energiepflanzen vergären, sind neben den oben genannten Umweltauswirkungen die Umweltbelastungen bei der landwirtschaftlichen Produktion dieser Energiepflanzen zu beachten.

Mit Ökoenergie in die Maiswüste?

Der Biogas-Boom löste auch einen Boom beim Anbau von Mais aus. Auf vielen Ackerflächen wachsen Mais-Monokulturen, die ökologisch nahezu tot sind. Das zeigt: Erneuerbare Energien sind nicht automatisch auch umweltfreundlich.

“Im Jahr 2017 wurden 32 Unfälle in Biogasanlagen registriert, bei denen rund 5,5 Millionen Liter Jauche, Gülle und Silagesickersäfte sowie Gärsubstrate (JGS) freigesetzt wurden”, schreibt das Umweltbundesamt über Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen. Durchschnittlich etwa 5 Prozent des in Biogasanlagen produzierten Methans entweicht unkontrolliert in die Atmosphäre – etwa 300.000 Tonnen pro Jahr. Dabei ist Methan ein hochwirksames Klimagas: Sein Treibhauspotenzial ist mindestens 28 mal höher als das von Kohlendioxid.

Wie ökologisch sind Biogasanlagen?

Diese Frage ist durchaus umstritten. Betrachten wir zunächst den ökologischen Rucksack: Analysen von Biogasanlagen kamen zu folgendem Ergebnis: Etwa 500 Kilogramm pro produzierter Megawattstunde einer solchen Biogasanlage fallen an für den Bau der Anlage, für Treibstoff der Traktoren. Damit steht man in Vergleichen sehr gut da. Wenn man aber die nachwachsenden Rohstoffe, also Mais, Roggen, Gräser etc, die man dort reinwirft, berücksichtigt, kommt man auf ungefähr 2 Tonnen pro Megawattstunde. Und damit ist die Biogasanlage zumindest unter den erneuerbaren Energien die ungünstigste Form der Energieerzeugung.

Allerdings gibt es noch weitere Kriterien zu berücksichtigen. Eine wichtige Rolle spielt hier der Flächenverbrauch dieser Biogasanlagen, gerade vor dem Hintergrund, dass man diese Flächen mehr und mehr für Nahrungsmittel benötigt, vor allem, wenn Tiere artgerecht gehalten werden sollen. Daher ist es wichtig, dass diese Biogasanlagen regional und wie ursprünglich vorgesehen mit eigener Gülle und Festmist betrieben werden, das heißt auch, dass der Bauer die Anlage möglichst mit seinen eigenen Feldern betreiben kann, die im Umkreis der Anlage liegen und er nicht irgendwelche nachwachsenden Rohstoffe aus der ganzen Raumschaft ankarren muss.

Trotz allem: Mit einer PV-Anlage (Photovoltaikanlage ist man besser beraten.

Manfred Schmieder