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Misere in der Gastronomie

16.3.2020

Der Corona-Virus lähmt gerade unser ganzes Land.

Weg mit dem Umsatzsteuerchaos in der Gastronomie

Versammlungen werden verboten, Läden bleiben geschlossen, in den Gaststätten wird ein Mindestabstand von 1,5 m zwischen den Gästen verlangt.

Überhaupt zählt das Gastronomiegewerbe zu den Hauptbetroffenen der Corona-Pandemie.

Machen schon seit Jahren immer mehr „Wirtschaften“ zu, wird es jetzt mit dem Corona-Virus noch schlimmer.

Waren bisher die überbordende Bürokratie mit sinnlosen Arbeitszeitmeldungen, zu knappen Zeitkonten, Personalmangel die Ursache für die Schließungen, kommen jetzt noch die starken Einschränkungen wegen Corona hinzu.

Der Bund und die Länder versuchen mit erleichterter Kurzarbeit und zinsgünstigen Überbrückungskrediten zu helfen.

Doch angesichts anderer Möglichkeiten wie eine Senkung der Umsatzsteuer ist das ein Witz.

Wenn man die bestehenden Umsatzsteuerregelungen ansieht, muss ein Gastwirt vorher eine Steuerberaterausbildung machen, bevor er Wirt wird.

Im Einzelnen ein paar Beispiele:

Handelt es sich bei der Gastronomie um ein Restaurant, ein Café, eine Bar oder eine Kantine, dann gilt grundsätzlich der Steuersatz von 19 Prozent Mehrwertsteuer. Ausschlaggebend ist dabei, dass die Gäste hier in den Genuss vieler Vorzüge kommen: Gemütliche Sitzmöglichkeiten laden zum längeren Verweilen ein, während der Service der Mitarbeiter in Anspruch genommen wird – Stichwort Dienstleistung.  

Bei einem Imbiss oder Food Truck geht es oft weniger um das Ambiente im Gastronomiebetrieb, sondern vielmehr um den schnellen Verzehr von zubereiteten Speisen. Deshalb gibt es hier eine klare Trennung: Werden in der Gastronomie Sitzgelegenheiten zur Verfügung gestellt, gilt der Umsatzsteuersatz von 19 Prozent. Gibt es nur Stehtische oder gar keine Möbel, gilt der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent. Zu beachten ist dabei, dass öffentliche Parkbänke oder Sitzmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe einer Gastro nicht zu Sitzmöglichkeiten zählen, die man als Gastronom zur Verfügung stellst. 

Etwas komplizierter wird es, wenn es um Speisen und Getränke geht, die außer Haus verzehrt werden. Hier gibt es nämlich unterschiedliche Trennungen. Für Lebensmittel, die der Gast mitnimmt oder nach Hause bestellt, fallen grundsätzlich nur 7 Prozent Mehrwertsteuer an. Das gilt allerdings nicht für alle Speisen. Hummer z.B. ist ein Luxusprodukt und wird entsprechend mit 19 Prozent besteuert.

Der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent Umsatzsteuer für Speisen zum Mitnehmen ist nur für Grundnahrungsmittel fällig.

Ein Americano hat 7 Prozent, ein Cappuccino aber 19 Prozent Mehrwertsteuer?

Die Faustregel lautet: Für Gewöhnlich wird für alle Getränke ein Steuersatz von 19 Prozent berechnet – egal ob zum Mitnehmen oder zum Verzehr vor Ort. Handelt es sich jedoch um Milchmischgetränke To Go ist Vorsicht geboten: Für Milch gilt nämlich grundsätzlich die ermäßigte Umsatzsteuer, da es sich hier um ein Grundnahrungsmittel handelt.

Kaffee To Go? Der Milchanteil bestimmt die Mehrwertsteuer.

Das heißt: Bestellt der Gast einen Kaffee mit einem Milchanteil von über 75 Prozent zum Mitnehmen, wird dieses Getränk mit 7 Prozent besteuert. Für einen Cappuccino oder Latte Macchiato gilt also die ermäßigte Mehrwertsteuer, wenn das Getränk To Go bestellt wird. Schwarzer Kaffee hingegen fällt unter die Kategorie “Getränk” und wird immer mit der regulären Umsatzsteuer von 19% berechnet.

Zu beachten ist dabei, dass diese Regelung ausschließlich für Kuhmilch gilt. Der Mehrwertsteuersatz für Milchmischgetränke mit alternativer Milch wie Soja-, Reis- oder Hafermilch ist nicht ermäßigt. Pflanzliche Milch wird nämlich nicht als Grundnahrungsmittel gezählt.

Ausnahmen gibt es auch bei Fruchtgetränken: Während ein frisch gepresster Saft immer mit 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnet wird, gilt für einen Smoothie der Steuersatz von 7 Prozent – sofern er außer Haus oder an einem Stehtisch verzehrt wird. Klingt absurd? Es wird noch besser. 

Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Selbst aufs’ Geschirr kommt es an!

Ein Imbiss mit Stehtischen, Essen zum Mitnehmen oder Catering: Für die korrekte Besteuerung ist auch das Geschirr von Bedeutung. Wenn Du zum Beispiel in Deinem Stehimbiss das Essen auf Porzellangeschirr servierst, fallen 19 Prozent Umsatzsteuer an, während es bei Plastikgeschirr nur 7 Prozent sind. Warum? Weil das Porzellangeschirr im Anschluss gereinigt werden muss. Das wiederum wird als zusätzliche Dienstleistung gewertet. Plastikgeschirr hingegen kann einfach weggeworfen werden. Gleiches gilt für das Liefern von Essen: Man möchte der Umwelt etwas Gutes tun und bringt dem Kunden das Essen auf wiederverwertbarem Geschirr, das bei der nächsten Lieferung wieder abgeholt werden soll? Das ist ein sehr vorbildliches und umweltbewusstes Konzept, wird steuerlich aber leider nicht belohnt. Auch hier gilt im Vergleich zu Wegwerfgeschirr der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Und auch beim Catering entscheidet das zur Verfügung gestellte Geschirr darüber, wie der Caterer Einnahmen zu besteuern hat.

Die DEHOGA Bayern kritisiert, dass Gastronomen dazu gezwungen sind, für die umweltschonendere Variante höhere Steuern zu zahlen. Dies ist einer der Gründe, weshalb im Oktober 2019 eine Online-Petition gestartet wurde – mit dem Ziel den reduzierten Umsatzsteuersatz von 7 Prozent für Lebensmittel in der Gastronomie einzuführen.

Kein Wunder, daß Staat und die Finanzverwaltungen sich ein Heer von fast 3000 Aussenprüfern leisten, die jeden Tag Gaststätten, Cafe´s, Bäckereien und Imbissbuden überprüfen. Falsch wird immer etwas gemacht, zu beanstanden gibt es angesichts dieses Wirrwars viel,

Und genau das muss aufhören.

Ein ganzer Wirtschaftszweig wird durch sinnlose Vorschriften mit Tausenden unterschiedlichen Steuersätzen systematisch vom Staat vernichtet.

Wir fordern einen einheitlichen Steuersatz von 7%, egal ob es sich um Hummer handelt oder um Rührei.

Egal ob Kaffeepulver oder Bohne, Sitzen oder Stehen.

Und fordern eine Entrümpelung der Arbeitszeitkonten und mehr Freiraum für die Gastronomieunternehmen.

Dann hat die Branche auch mehr Luft zum Atmen, um gegen die Corona-Krise zu anzugehen.

gez. Ralf Wendel